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Der tanzende Gott

Stimmen über Gustav René Hocke

Es war im Sommer 1970, schreibt Michael Ende über den Tag, als er Gustav René Hocke kennen lernte.1 Meine Frau Ingeborg und ich saßen auf der Piazza von Genzano vor dem Café Nazionale, tranken Espresso und warteten auf Gustav René Hocke, der versprochen hatte, uns abzuholen, da der Weg zu seinem Haus per Telefon nicht zu erklären sei. Ich war außerordentlich gespannt darauf, diesen Mann kennen zu lernen, dessen Bücher mich so tief beeindruckt hatten (...) Oft hatte ich versucht, mir diesen Mann vorzustellen. Ingeborg und ich hatten darüber geredet, wie er wohl sein mochte. Eines stand für mich außer Frage: Es musste sich bei ihm wohl um eine jener außergewöhnlichen, bisweilen exzentrischen Persönlichkeiten handeln, die man in Italien als „mostro sacro“ zu bezeichnen pflegt, als „heiliges Ungeheuer“ des Wissens, der Bildung, der Verfeinerung. Aus irgendeinem Grunde schwebte mir das Bild eines schmalgesichtigen, asketisch wirkenden älteren Mannes vor, von hoher, ein wenig gebeugter Statur, vermutlich mit einer wirren Mähne weißen oder grauen Haars, der, in einen nilgrünen seidenen Schlafrock gehüllt, in einer vielstöckigen Bibliothek hauste und mit nikotingelben Fingern in kostbaren, alten Folianten blätterte. (...) Sein Haus musste wohl etwas düster und vernachlässigt sein, vielleicht ein kleiner, halb verfallener Palazzo mit bröckelnden Deckengemälden (...)

1 Wie ich G. R. Hocke kennen lernte, in: Hommage an GRH, Viersen. Beiträge zu einer Stadt Bd. 16, Viersen 1989, S. 113-7.